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Schleppjagden haben eine Jahrhunderte alte
Tradition und der Verzicht auf lebendes Wild zu jagen ist viel älter als
das Verbot aus dem Jahre 1934. Spätestens seitdem soll auf Reitjagden in
Deutschland keinem Tier ein Haar gekrümmt werden.
Die hier aufgeführten Regeln treffen vor
allem auf die Reitjagden in Deutschland zu. Hier sucht man sich aus allen
Traditionen das Beste heraus. Englisch ist der rasante Ritt hinter
schnellen Hunden in Verbindung mit dem Überwinden fester Hindernisse, aus
dem Französischen stammen die Schabracken, viele Jagdhornsignale und
Zeremonien wie das Curée. Urdeutsch ist der Brauch (aus der Schießjagd)
die Reiter mit einem Bruch zu ehren.
Alle Reiter tragen eine splittersichere
Kappe mit 3-oder 4-Punkt Befestigung, roten, schwarzen oder grünen Rock
(Damen nach landläufiger Meinung nicht in rot aber auch in blau, der rote
Rock sollte auch von Männern nur im Herbst und nicht im Frühjahr oder der
Vorsaison getragen werden), weiße oder hellbeige Reithose, schwarze
Stiefel (Herren mit braunen Lederstulpen), weißes Hemd,
Plastron
(hier klicken und Sie finden eine Anleitung zum Binden des
Plastrons)
und weiße Handschuhe.
Die Jagd beginnt am Stelldichein (meet,
rendez-vous), es wird das Signal "Wecken der
Jagdreiter bzw. Réveil"
geblasen. Ein Fauxpas ist es, gespornt zum
Meet oder zum Schüsseltreiben zu erscheinen.
Ein "Schläger" sollte eine rote Schleife im
Schweif tragen.
Aufgesessen wird nach dem Signal "Aufsitzen
bzw. monter à cheval", oder wenn der Jagdherr aufgesessen ist. Aufstellung
im Halbkreis vor dem Jagdherrn.
Man sucht sich das Feld in dem man reiten
möchte und grüßt den Feldführer (ohne Handschlag). Im ersten Feld besteht
Sprungpflicht, im Zweiten sollten die Sprünge zu umreiten sein, das dritte
Feld mit jungen Pferden und Anfängern springt nicht. Die Anzahl der Reiter
in einem Feld sollte 20 nicht überschreiten.
Wenn die Hunde eintreffen ruft man "Die
Hunde" die (männlichen) Jagdteilnehmer ziehen zum Gruß die Kappe. Die
Hunde und die Equipage werden in das Halbrund aufgenommen. Es ertönt zur
Begrüßung die jeweilige Fanfare der Meute. Nie zu nahe an die Hunde
heranreiten. Hier hat nur die Equipage etwas zu suchen. Die Pferde sollten
mit dem Kopf zu den Hunden gestellt sein.
Der Jagdherr (weiß-schwarz-weiße Binde li.)
begrüßt die Equipage und gibt die Details der Jagdstrecke (Länge der Runs
[Teilstrecken], Hindernisse [üblich: 90 + / - 10 cm x 6 - 10 m], Art des
Geläufs [Bodenbeschaffenheit], Checks bzw. Stops) bekannt. Er gibt auch
die Einteilung der Felder und Jagdchargen bekannt (stellvertretender
Jagdherr: schwarz- weiß- schwarze Binde li., Jagdleiter bzw. Chef der
Equipage bzw. Master: weiße Binde re., eingeteilte Piköre der Meute:
Hetzpeitsche mit Schlag und grüne Binde li., nicht eingeteilte Piköre der
Meute: Hetzpeitsche mit aufgewickeltem Schlag, Feldführer und Feldpiköre:
grüne Binde li., schließende Feldpiköre: rote Binde li., Zuschauerführung:
gelbe Binde li. und gelbe Flagge).
Wenn das Feld zur Anlegestelle der 1.
Schleppe aufbricht wird "Aufbruch zur Jagd bzw.
le départ pour la chasse"
geblasen.
Wenn die Hunde sicher auf der Fährte liegen
ruft der Jagdleiter, der Chef der Equipage oder der Master "Gute Jagd" und
es kann los gehen.
Jeder bleibt auf seinem anfangs
eingenommenen Platz und hält insbesondere vor Hindernissen
Sicherheitsabstand ein. Das Kreuzen des Feldes ist fahrlässig und sehr
gefährlich. Man reitet auf Strich und Lücke. Rücksichtnahme (vor, während
und nach der Jagd) ist oberstes Gebot.
Es werden mehrere Checks bzw. Stops zur
Erholung der Hunde und Pferde eingerichtet. Dabei soll Wasser zum Tränken
(bzw. Befeuchten der Nasen) der Hunde bereitgestellt werden, die Pferde
sollten insbesondere bei einem längeren Stop geschützt stehen. Zum
Hauptstop können die Bläser die "Stop-Fanfare" und danach "Absitzen"
blasen. Die Fortsetzung der Jagd wird durch die Signale "Aufsitzen" und
"Aufbruch zur Jagd"
verkündet.
Am Ende der letzten Schleppe zieht man den
rechten Handschuh aus, hält ihn hoch und ruft noch im Galopp "Halali".
Hier wird das Halali geblasen
, zunächst "l'hallali sur pied" bis
alle am Halali eingetroffen sind, dann "l'hallali par terre", ebenfalls
mehrfach.
Danach versammelt man sich am Halali-Platz,
möglichst mit Jagdfeuer. Aufstellung im Halbkreis.
Es folgt das Genossenmachen bzw. Curée der
Hunde, die Reiter sitzen dazu ab, nehmen den Hut ab als Dank für Pferde
und Hunde. Dazu ertönt das Signal
"Curée"
.
Um Unruhe auf dem Platz zu vermeiden
sollten erst dann, auf das Signal "Bruchverteilung", die Brüche (möglichst
der Art von Bäumen, wie sie am Halali-Platz vorkommen, normalerweise
Eichenzweige, ab dem Hubertustag, am 3.November, Fichte) verteilt werden.
Um Unfälle zu vermeiden kommen die Reiter ohne Pferde zur Jagdherrin und
Jagdherr. Häufig frißt das Pferd den Bruch - deshalb nie Nadeln, Draht
oder sonstiges potentiell für Pferde gefährliches Zierwerk am Bruch
anbringen. Bei der Übergabe des Bruchs erwidert man den Wunsch des
Jagdherrn "Waidmannsheil" mit einem aufrichtigen "Waidmannsdank". Sind
alle Brüche verteilt, kann ein Jagdteilnehmer Dankesworte an den Jagdherrn
und seine Helfer richten, die er mit einem dreifachen "Horrido"
abschließt, das die Jagdreiter jeweils mit "Joho" beantworten.
Als Abschluß kann das Signal
"Verabschiedung der Master bzw. l'adieu des
maîtres"
geblasen werden.
Die Hunde werden abgeführt und verladen,
die Pferde werden auf Verletzungen untersucht und trocken geführt. Nachdem
die Pferde versorgt und verladen sind beginnt das
Schüsseltreiben.
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