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Ein wesentlicher Punkt für
Schleppjagden in Deutschland ist die Tatsache, dass diese in der Regel
unblutig ablaufen. Bei einer Schleppjagd wird nicht auf lebendes Wild
gejagt, sondern zu Pferde eine Hundemeute verfolgt, die auf einer
künstlichen Fährte geht. Die Arbeit der Hunde, wie sie die Fährte
aufnehmen, verfolgen, verlieren und wiederfinden steht im Mittelpunkt des
Geschehens. Schleppjagden sind der einzige Sport an dem die Geschlechter
gleichberechtigt teilnehmen und es am Ende keinen Sieger
braucht.
Wie kein anderes Tier sind
Hunde und Pferde dem Menschen seit tausenden von Jahren in Mythologie und
Historie sehr eng verbunden und so hat die Reitjagd hinter Hunden eine
sehr lange Tradition. Die frühesten Aufzeichnungen stammen aus der Zeit um
400 vor Christus und sind der Reitlehre von Xenophon zu entnehmen. In
einigen Gebieten der Welt reitet man auch heute noch mit Meuten auf
lebendes Wild, in England, Irland und Nordamerika auf den Fuchs und in
Frankreich auf den Hirsch. Solche Hetzjagden sind moralisch umstritten und nicht planbar weil
in vielen Punkten unbekannte Größen eine Rolle spielen.
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Zunächst musste man das Wild
erst aufstöbern, was manchmal mehrere Stunden dauerte. Wenn man dann ein
geeignetes "Opfer" aufgeschreckt hatte, floh das Wild in eine beliebige
Richtung und niemand wusste wohin, wie schnell oder wie lange die Reise
noch gehen würde. Wenn man "Pech" hatte und nicht Acht gab,
verpasste man den Anschluss und Wild, Hunde, sowie Jagdgesellschaft
waren auf und davon. Eine Unterbrechung der Veranstaltung zur Versorgung
von Pferd, Hunden oder Reitern war während der Hatz nicht möglich, wenn
man bis zum Schluss dabei sein wollte.
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Eine gut organisierte
Schleppjagd ist die Alternative um die Tradition der
Reitjagden hinter Hunden fortzusetzen. Hierbei simuliert ein Reiter (der
Schleppenleger) das zu verfolgende Wild und reitet eine zuvor festgelegte
und teils mit Hindernissen präparierte Strecke. Dabei werden
Galoppstrecken, die Schleppen bzw. Runs und Schrittstrecken den
Bodenverhältnissen angepaßt wobei während der Schrittstrecken keine
Schleppe gelegt wird, die Hunde gehen bei Fuß bis zur nächsten Schleppe.
Der Hundeführer (Master of Hounds) hält mit seinen Helfern, der Equipage,
die Hunde bis zur nächsten Schleppe zusammen. Wenn eine Schleppe gelegt
ist, gibt er den Hunden das Signal loszustürmen und kurz darauf den
Reitern das Signal, daß sie folgen können. Auf gar keinen Fall darf man
den Hunden zu Nahe kommen und sie gefährden.
Der Begriff Schleppjagd rührt
übrigens daher, dass früher die Schleppenleger eine Kugel oder einen
Schwamm, welche mit Duftstoffen präpariert waren, manchmal auch ein
Hirschkeule, an einem Seil hinter sich herzogen. Heute wird häufig ein
flüssiger Duftstoff (je nach Meute Fuchslosung, Heringslake oder Anis) in
einem Kanister am Sattel oder an der Satteldecke mitgeführt, aus dem vom
Schleppenleger der Duftstoff auf die Strecke getropft wird. Einige wenige
Meuten, darunter die Hardt-Meute des Badischen Schleppjagdvereins, bei dem
ich von Gerd Klapschus meine Ausbildung zum Pikör bekam, begnügen sich auch mit der Naturfährte, d.h. dem
Geruch oder Trittsiegel der Pferdehufe des Schleppenlegers.
Es obliegt dem Schleppenleger
und den Organisatoren der Schleppjagd, die Flucht-Taktik des gejagten
Wildes möglichst naturnahe zu simulieren. Durch eine geschickte Planung
der nun bestimmbaren Streckenführung, kann man auch in dichter besiedelten
Gebieten einen sportlichen aufregenden Ritt hinter den Hunden
durchführen.
Bei einer größeren Anzahl von
Teilnehmern, kann man die Jagdgesellschaft in mehrere Felder aufteilen,
die von einem Feldführer am Anfang und Pikören im Feld und am Schluß
geführt werden. Dabei kann man auch ein Feld für Reiter, die nicht
springen möchten, einrichten. Auf einer Hetzjagd müsste man ja auf
direktem Weg dem Wild folgen und zwangsläufig Gräben, Mauern und
umgestürzte Bäume springend überwinden um nicht, wenn man ein Hindernis
umreitet, abgehängt zu werden. (Andererseits würde man auf einer
Hetzjagd nie über ein Hindernis springen, dass leicht umreitbar ist, um
sein Pferd zu schonen weil man ja nie weiss wie lange die Hatz noch geht).
Hindernisse sollten deshalb auf Schleppjagden nach Möglichkeit so
aufgebaut werden, daß sie auch umritten werden können. Ist dies nicht zu
verwirklichen, so wird das nichtspringende Feld auf einem anderen Weg ohne
Hindernisse geführt.
Die Naturhindernisse selbst
sollten aus Sicherheitsgründen breit und massiv gebaut sein und vor allem
nicht zu hoch sein. In der freien Natur gibt es immer Unebenheiten im
Boden und vor den Sprüngen ist somit kein Galoppsprung wie der andere.
Dadurch wird aber ein passendes Anreiten der Sprünge wie im Parcours von
Springturnieren unmöglich. Die Jagdpferde müssen lernen selber auf den Weg
zu achten und sollten aus jeder Lebenslage die Sprünge überwinden können.
Der Reiter gibt dem Pferd lediglich etwas Anlehnung. Die Anzahl, Art
und Höhe der Naturhindernisse muß vor der Jagd bekannt gegeben
werden.
Bei Unfällen oder nach
Verpflegungspausen, zur Schonung der Hunde und Pferde, kann man die Jagd
nach kurzer Unterbrechung ohne wesentliche Beeinträchtigung, aber mit
deutlichem Gewinn an Sicherheit und Komfort fortführen, nur dürfen die
Unterbrechungen nicht ausarten und zu lange dauern. Die Hunde brauchen
ausreichend Wasser, um die Nasen feucht zu halten, die Pferde müssen
unbedingt windgeschützt stehen.
Bei dieser Art der Reitjagd
ist es deutlich mehr Teilnehmern als auf Hetzjagden vergönnt bis zum
Schluss mit dabei zu sein, wenn die Hunde zur Belohnung und als Ersatz für
die Innereien des aufgebrochenen Wildes das sog. "Curée" (in der Regel
Rinderpansen) und die Reiter einen "Bruch" (möglichst der Art von
Bäumen, wie sie am Halali-Platz vorkommen, normalerweise Eichenzweige, ab
dem Hubertustag, am 3.November, Fichte) erhalten.
Am Schluss gibt es dann kein
totes Wild und keine Verlierer. Egal ob Männlein oder Weiblein, ob arm
oder reich. Jeder der eine gut jagende Meute gesehen und ihr Geläut (das
charakteristische Gebell solange die Hunde auf der richtigen Fährte sind)
gehört hat wird sich als Sieger fühlen, denn es ist immer ein einmaliges
Erlebnis das Zusammenspiel von Hunden, Pferden und Menschen in der freien
Natur zu beobachten.
Manche Veranstalter locken
auch zahlreiche Zuschauer an, insbesondere wenn diese mit Traktoren oder
Kutschen an die interessantesten Stellen gebracht werden und so die
Schleppjagd gut verfolgen können.
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